Kurzhistorie & Chronik

Schloss Hilbringen Geschichte – Adelssitz, Barockschloss und Historie seit 1312

Das Schloss Hilbringen in Merzig zählt zu den geschichtsträchtigsten Anwesen im Saarland.
Die Ursprünge reichen bis ins Mittelalter zurück.
Über Jahrhunderte war das Schloss Sitz verschiedener Adelsfamilien, darunter die Ritter von Hilbringen, die Familien de Huart, de Humbert und de Maurice.

Die Mauern des Schlosses Hilbringen in Merzig blicken auf eine bewegte Vergangenheit zurück, die bis in das Mittelalter reicht.
Heute verbindet das Anwesen historische Bedeutung mit einer neuen Nutzung als moderne Apartment-Residenz.

Historische Chronik

Vollständige historische Dokumentation

Umfang: 26 Seiten
Version: 1.2, Stand 08.01.2021
Autor: Uwe Bohrer, Copyright 2020

Die ausführliche Chronik enthält weitere Details zur Geschichte des Schlosses, zu den Adelsfamilien, Stammbäumen, Quellen und historischen Wappenabbildungen.

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Die Ritter von Heilbringen – Adelsgeschlecht „De Hilbringen“

Die Geschichte von Schloss Hilbringen beginnt mit dem Adelsgeschlecht „de Hilbringen“. Dort, wo heute das Schloss Hilbringen steht, könnte bereits im Mittelalter der Sitz der Ritter von Hilbringen gelegen haben. Bekannt ist, dass die ältere Anlage vor 1745 abgerissen wurde und an dieser Stelle das heutige Schloss entstand.

Zur Zeit der ersten Erwähnungen gehörte Hilbringen zum Herzogtum Lothringen, später zum Herzogtum Niederlothringen. Die Ritter von Hilbringen waren nachweislich Lehnsherren, Ritter und Knappen.

Erstmalig erscheint im Jahr 1312 ein gewisser Watrins de Hildebranges escuier in geschichtlichen Unterlagen. Das Dorf Hilbringen, heute ein Stadtteil von Merzig, gilt als Stammsitz der ritterlichen Geschlechter dieses Namens.

Hinweis aus der Chronik: Eine geomagnetische Aufnahme des Schlossgeländes deutet auf frühere Bebauung hin. Die Lage auf einer leichten Erhöhung und die Nähe zur Saar sprechen dafür, dass das Gelände schon früh als geschützter Wohn- oder Herrschaftssitz genutzt wurde.

Urkundlich erwähnte Namen

  • Vor 1312: Watrins de Hildebranges, sein Sohn Hesse und zwei Töchter verkaufen ihre Güter.
  • 1369: Hesse von Helleberigne und Arnoul, sein Sohn, im Dienste der Stadt Metz.
  • 1438: Johanns von Hillbringen, Lehenrevers über das halbe Dorf Fuckingen.
  • 1452: Johann von Hilbringen als Lehnsmann von Trier.
  • 1486: Thomas von Hilbringen als Lehnsmann von Trier.
  • 1511: Jacob von Hilbringen.
  • 1522: Mathias von Hilbringen.
Wappen der Ritter von Hilbringen aus dem Mittelalter
Wappen der Ritter von Hilbringen:
Johann de Hilbringen siegelt mit einem Schild, darin ein Rechtsschräg-Zickzackbalken. Der Helm zeigt einen ebenso gezeichneten Flügel.

Die Spuren der Familie „de Hilbringen“ führen weiter nach Siersburg, Sierck, Wiltz und Arlon. Auch die Wappenähnlichkeit mit den Herren von Siersburg deutet auf verwandtschaftliche Beziehungen hin. Die Ritter von Hilbringen besaßen zudem Rechte und Güter in Orten wie Fuckingen, Fremersdorf, Silwingen, Hargarten und Rehlingen.

Die Familie „de Huart“

Für die weitere Entwicklung von Schloss Hilbringen spielt die Familie „de Huart“ eine wichtige Rolle. Durch Kauf, Erbe und Heirat lassen sich die Verbindungen von den Rittern von Hilbringen bis zur Familie „de Maurice“ nachvollziehen.

Historisches Wappen der Familie de Huart aus Schloss Hilbringen
Wappen der Familie d’Huart:
In Silber, wachsend aus fünf roten Flammen, ein grüner Stechpalmenzweig mit roten Beeren.

Johann Huart – Generalleutnant der Deutschen Ballei

Johann Huart aus Wallerfangen war ein bedeutender Jurist und ab 1595 Generalleutnant der Deutschen Ballei, dem größten Verwaltungsbezirk des Herzogtums Lothringen. Er übersetzte das lothringische Gesetzbuch ins Deutsche und setzte sich für eine Reform der Hexenprozesse ein.

Am 16. Mai 1617 wurde Johann Huart von Herzog Heinrich III. geadelt. Bereits im Jahr 1611 war die Familie d’Huart Besitzer des Schlosses Hilbringen. Im Jahr 1612 kaufte Johann Huart zusammen mit Nikolaus von Weis die sogenannten Hessengüter. Johann Huart erhielt dabei die Herrschaft Hilbringen mit dem dort befindlichen Haus, dem späteren Schloss Hilbringen.

Über seine Tochter Catharina, die mit Erhard Humbert verheiratet war, gelangten die Güter an die Familie Humbert. Damit bildet die Familie d’Huart eine wichtige Verbindung zwischen den mittelalterlichen Besitzverhältnissen und der späteren Schlossgeschichte.

Die Familie „de Humbert“

Catharina Huart heiratete um 1620 Erhard Humbert, der 1622 die Nachfolge seines Schwiegervaters als Generalleutnant antrat. Aus dieser Ehe stammte Georg Friedrich, auch Georges Ferry de Humbert genannt. Durch Erbschaft seiner Mutter erhielt er die Güter zu Hilbringen und wohnte dort nachweislich.

In den Tabellionsakten von Wallerfangen wird Georg Friedrich de HUMBERT von Hilbringen mehrfach erwähnt, unter anderem 1687 und 1697 als Verpächter von Ländereien. Die Familie Humbert bewirtschaftete und bewohnte das Anwesen über mehrere Generationen.

Die Familie „de Maurice“

Der adelige Stammvater der Rheinischen Familie war Francois Didier Maurice, der am 28. März 1708 von Herzog Leopold von Lothringen den Adel erhielt. Seine Nachkommen Johann Franz Georg und Aegidius von Maurice wurden 1830 in die Rheinische Adelsmatrikel eingetragen.

Der Ursprung der Familie liegt in der Bretagne. Francois Didier de Maurice heiratete Marie Margaretha de Urbain. Dessen Sohn Heinrich Joseph de Maurice kaufte ein Haus auf der Burg Siersburg und heiratete Apollonie de Humbert. Deren Sohn Jean Philipp de Maurice wohnte in Hilbringen und heiratete Elisabeth Strasser.

Historisches Wappen der Adelsfamilie de Maurice aus Schloss Hilbringen
Wappen der Familie de Maurice:
Goldener Schild mit blauem Sparren, zwei blauen Sternen und Mohrenkopf.

Ein bedeutender Nachkomme war Ägidius de Maurice, der 1830 in die preußische Adelsmatrikel eingetragen wurde, sich aber nur Moritz nannte. Er wanderte 1847 mit zwei Söhnen und einer Tochter nach Nordamerika aus. Von ihm stammt die weitverzweigte Familie Moritz ab.

Aus einer Verkaufsurkunde vom 05.06.1771 geht hervor, dass die Brüder Joseph de Maurice de Hilbring und Philipp de Maurice de Siersberg als Zeugen auftraten. Joseph nannte sich „de Hilbring“, weil er Teilherr der Herrschaft Hilbringen aus dem Erbe seiner Mutter Apolline de Humbert war und im Schloss wohnte.

Das heutige Barockschloss Hilbringen

Das heutige Barockschloss entstand zwischen 1733 und 1745 für die Familie de Maurice nach Plänen von Christian Kretzschmar. Die frühere Anlage wurde dafür vollständig abgerissen. Dadurch verbindet Schloss Hilbringen mittelalterliche Besitzgeschichte mit barocker Architektur.

Besitzer von Schloss Hilbringen im Überblick

Die folgenden Eigentümer und Adelsfamilien lassen sich seit dem Mittelalter nachweisen:

  • 13.–15. Jahrhundert: Ritter von Hilbringen, erstmals 1312 erwähnt
  • 15.–16. Jahrhundert: Hesse von Hilbringen, später auch genannt „von Koensdorf“
  • Ab 1612: Johann Huart durch Kauf der Hessengüter
  • Ab ca. 1622: Familie Humbert durch Heirat
  • Ab ca. 1730–1740: Familie de Maurice durch Erbschaft und Heirat mit Apollonie de Humbert
  • 1854–2020: Verkauf an Gerbereibesitzer Altmeyer, danach über Generationen in privater Hand
  • Seit Juli 2020: Übernahme durch die ACT Projekt GmbH & Co. KG und Renovierung zur modernen Apartment-Residenz

Quellennachweis & Literatur

Die hier zusammengefassten Informationen basieren auf historischer Forschung, genealogischen Angaben, Wappenbüchern, Archivmaterial und der Chronik von Uwe Bohrer.

  • Siebmacher, Johann – Wappenbücher
  • Archiv Hospices de Luxembourg
  • Annalen des Luxemburger Archäologischen Instituts
  • Ausarbeitung Guido Müller „Der Generalleutnant der Deutschen Ballei Johann Huart“
  • Tabellionsakten von Wallerfangen
  • Theodor Liebertz: „Wallerfangen und seine Geschichte“
  • Henri Hiegel: Le Bailliage d’Allemagne de 1600 à 1632
  • Hans Leisten: Hilbringer Heimatbuch
  • Généalogie et histoire Uwe Bohrer

Die vollständige Dokumentation mit weiteren Details, Stammbäumen, Quellenangaben und Wappenabbildungen finden Sie in der oben verlinkten PDF-Datei.

Bemerkenswertes aus der Chronik

Besonders bemerkenswert ist die Verbindung verschiedener Adelsfamilien über Kauf, Erbschaft und Heirat. Schloss Hilbringen steht damit nicht nur für ein einzelnes Bauwerk, sondern für eine lange Folge regionaler Herrschafts-, Familien- und Besitzgeschichte im Saarland und im historischen Lothringen.

Das Wappen der Herren von Siersburg zeigt ähnliche Schrägbalken-Motive und deutet damit auf gemeinsame Wurzeln hin. Im Ratssaal von Dillingen hängt ein Gemälde von Otto Günther Naumburg, das die Rückkehr der Herren von Siersberg und Dillingen von der Belehungsfeier 1333 zeigt.

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